Ehemaliges Kaiserreich Engonien

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Das Wappen Jeldriks

Über das Heilige Engonische Kaiserreich

Abhandlung des Gelehrten Avernius von Barebury über das engonische Kaiserreich und dessen Entstehungsgeschichte.

Der Reisende oder Gelehrte, der meine geliebte Heimat bereisen möchte, hat nur wenige Möglichkeiten. Der Seeweg ist äußerst gefählich, ist doch der Großteil unserer Küste felsig und ragt steil empor, als wolle sich das Land selbst der tosenden See entgegenwerfen. In den kalten Wintermonaten verhindert das Packeis gar sämtliche Schifffahrt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Landweg sowohl für Händler als auch für andere Reisende den sichersten Weg in meine Heimat darstellt. Doch auch diese Wege sind nicht frei von Unbill. Die südliche Grenze Engoniens markiert der Eisenwall. Nur wenige Pässe führen sicher über diese Gebirgskette zu den Mittellanden, die Engonien von der Westküste bis weit hin in den Osten begrenzt, wo die Ödlande beginnen. Und die Durchquerung der Ödlande ist voller Strapazen und schrecklicher Gefahren. Erst im Jahre 255 n.J. gelang es einer Expedition eine Route zu finden, die zu den Ostländern führt.

Die bekanntesten Pässe über den Eisenwall sind der Rothornpass und der Fuchsroutenpass. Wiewohl die beiden Pässe vor einigen Jahren traurige Berühmtheit erlangten, als da Räuber ihr Unwesen trieben, sind heuer alle Pässe mit zahlreichen Grenzwachten der Reichsgarde gesichert, so dass für Reisende und Kaufleute nunmehr jede Sorge vor Überfällen als unbegründet betrachtet werden muss. Wie alle bekannten Pässe über den Eisenwall führen auch der Rothornpass und der Fuchsroutenpass direkt in die Provinz Tangara und praktisch vor die Tore der goldenen Stadt Fanada, die somit zum Hauptknotenpunkt sämtlichen Handels mit dem Ausland geworden ist. Der unkundige Reisende mag zwar denken, der Beiname „goldene Stadt“ sei auf das Glänzen der Dachschindeln im aufgehenden Sonnenlicht zurückzuführen, jedoch, der Bürger Fanadas weiß nicht ganz ohne Stolz zu berichten, dass jene Bezeichnung viel mehr auf die zahlreichen Goldmünzen anspielt, die tagtäglich innerhalb der Stadtmauern auf den zahlreichen Märkten umgesetzt werden. Fanada ist ein, wenn nicht das Zentrum der engonischen Wirtschaft.

Die Provinz Tangara, bis zum Jahre 3 v.J. ein Teil Caldriens, ist ein freier Städtebund der fünf größten Städte und ein Anziehungspunkt für Händler und Glücksritter. Hier regieren Reichtum, händlerisches Geschick und Gerissenheit. Trotz aller anfänglichen Unkenrufe aus Caldrien entstand bis dato kein Chaos, denn die führenden Handelshäuser wissen die öffentliche Ordnung zu wahren. Der Leser könnte mir nun vorwerfen, dies sei falsch, denn Recht und Gesetz obliegen den Bürgermeistern und den Stadträten. Dies ziehe ich auch nicht in Zweifel, allein, seit Gründung Tangaras stellen die mächtigsten der Handelshäuser die Bürgermeister und Stadträte. Der Städtebund verfügt über keine stehende Armee. Die Bürgermeister stützen sich zur Verteidigung ihrer Territorien und notfalls auch der Unabhängigkeit der Provinz viel mehr auf die prall gefüllten Säckel, sprich auf gut bewaffnete Söldnerverbände. Selbstverständlich sind in Tangara auch Einheiten der engonischen Reichsgarde stationiert, ganze fünf Standarten an der Zahl, um die Pässe zu sichern und den finsteren Wald von Arden zu beobachten.

Westlich von Tangara, durch das Himmelsgebirge getrennt, liegt die Provinz Silvanaja, die von wilden und primitiven Barbaren bewohnt wird, die sich beständig untereinander bekriegen und somit glücklicherweise ihre tangaranischen Nachbarn und die Bürger der drei kläglichen Städte Silvanajas in Frieden lassen. Allein, läge Gulrav nicht so nahe bei Taga, bewohnten nicht die letzten Überreste der versprengten tiorschen Söldnerbanner Zarbon und befände sich in Darkow nicht die Kommandantur der silvanaischen Reichsgarde, niemand würde sich die Mühe machen diese Orte in einer Karte zu verzeichnen. So seien alle Reisenden und Händler vor diesem wilden und verlassenen Landstrich gewarnt, viel mehr als dichte Wälder und das eigene Unglück ist dort nicht zu finden, weiter im Osten warten nur die Ödlande.

Der Drachenrücken, eine zerklüftete Gebirgskette, stellt die nördliche Grenze Silvanajas dar. Die Ländereien dahinter, bestehend aus wogenden, hügeligen Grasflächen und vereinzelten Waldbeständen bis hin zur Nordküste gehören den Völkern Andarras. Die Andarraner sind ein sehr naturverbundenes Volk und kulturell weiter entwickelt als ihre südlichen Nachbarn in Silvanaja. Bis zur Ankunft der Ur-Caldrier und den darauf folgenden Kriegen lebten sie in verbundener Freundschaft mit dem Elbenvolk, was sich bis heute in ihrer vielgerühmten Kunstfertigkeit in der Goldschmiede- und Lederbearbeitung wiederspiegelt. Wiewohl es große Unterschiede je nach Herkunft der Stämme gibt haben alle Andarraner ihr ausgeprägtes Ehrverständnis und ihr melancholisches Gemüt gemein. Mit der Erschließung neuer Handelswege durch die Ödlande kehrte auch ein wenig Zivilisation in die Provinz Andarra ein: Mit Caer Conway verdient zum ersten Mal in der Geschichte Andarras ein Ort die Bezeichnung Stadt, auch wenn Caer Conway dies mehr den tangaranischen Händlern als dem hier ansässigen Stamm der Bergonen zu verdanken hat.

Nordwestlich von Caer Conway, irgendwo in der Bucht von Timara, müssen die Ur-Caldrischen Siedler an Land gegangen und in den Westen gezogen sein, um dort ihr Imperium zu gründen, das sie Caldrien nannten. Caldrien ist die Wiege der engonischen Zivilisation, hier befindet sich die Hauptstadt Engonia, das Herz des Kaiserreiches, wiewohl Kaiser Jeldrik noch immer verschollen ist und der Senat an seiner statt regiert. Caldrien ist heute ein friedliches Königreich, das Weise aus den nördlichen Gefilden vom königlichen Geschlecht derer zu Donnerheim regiert wird, die ihre Linie bis zu den alten Imperatoren zurückverfolgen können. Gleichsam ist Caldrien seit jenen Tagen, als der alte Feind über das Meer kam und der große Bruderkrieg tobte, ein geteiltes Königreich, denn in jenen Zeiten erstritten sich das Herzogtum Hanekamp und die Fürstentümer Middenfelz und Tangara ihre Unabhängigkeit. Tangara ist bis heute eine eigenständige Provinz geblieben, die Häuser Hanekamp und Middenfelz dagegen beschlossen Teil des Königreiches zu bleiben, um den Zerfall Caldriens zu verhindern, und nominell dem Königsgeschlecht treu zu dienen, ohne dessen Vasallen zu sein.