Norodar

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Norodar ist eine Stadt im tangarischen Hinterland. Geprägt wird es vor allem durch sein Erscheinungsbild: wenige Fachwerkhäuser, wenige Holzhäuser, dafür um so mehr solide, meist zweigeschossige Steinbauten. Trotzdem halten sich vor allem vom Frühling bis zum Herbst viel mehr Leute dort auf; Grund dafür ist der „Große Bruch“ nur wenige Meilen nördlich des Dorfes. In diesem Steinbruch findet sich nämlich nicht nur grauer, harter Granit, sondern auch feiner, von dünnen grauen Adern durchzogener Marmor. Erste (umstrittene) Erwähnungen in vorjeldrikischen Quellen bescheinigen Norodar ein Alter von bis zu 450 Jahren.

Stadtgeschichte

Aufgrund der allgemeinen Beschaffenheit der tangarischen Städte war Granit nie wirklich besonders gefragt, jedoch stieg mit dem zunehmenden Wohlstand der Städte die Nachfrage nach Marmor. Da das eher langsame und beschwerliche Abbauen bei Norodar immer noch billiger war als teure Importe aus Sylvanaja oder dem Ausland, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Marmorabbau sprunghaft anstieg. Ansässige Steinmetze bauten nach und nach den Steinbruch aus. Je größer der Steinbruch wurde, desto mehr Tagelöhner von außerhalb zog er auch an.

Nun waren Tagelöhner oft nicht die friedlichsten Leute. Nach ständigen Raufereien, bei denen immer wieder irgendetwas aus Holz kaputt ging (nicht selten Türen, Fußböden oder gar Zäune und Kneipenwände) setzte sich der Pragmatismus der Tangaraner durch: kurzerhand wurde der Steinabraum, der beim Marmor- und Granitabbau anfiel, für Häuser, Straßen und auch niedrige Steinmauern, die nach und nach die Holzzäune ersetzten, genutzt. Dies führte zu dem soliden Erscheinungsbild, das Norodar seinen ersten Namen einbrachte: In älteren Dokumenten, die den ersten Streit über die Schürfrechte des Großen Bruchs bezeugen, ist von einem „kleynen Stadel“ die Rede, dessen Name „Steynfallerhussen“ sei.

Der „Bruchstreit“, wie die Verhandlungen über die Schürfrechte heute genannt werden, ging schließlich zu Gunsten eines reichen Mannes aus Uld aus, ein windiger Geschäftsmann names Rondo aus den Reihen der Binomi-Familie. Dieser war kein Freund der langen Namen. Kurzerhand zahlte er mit der ersten Marmor-Lieferung nach Engonia für das Recht, Steynfallerhussen umtaufen zu dürfen. In der „Declaratio de nomine Steynfallerhussenis“ aus dem Jahre 70 n.J. taucht der Name „Norodar“ zum ersten Mal auf, in der wörtlich übersetzten Formulierung:

“[…]soll Steynfallerhussen tragen den Namen Norodar, für jetzt und ewig, […] im Namen der Regierung statt und in Gunsten Ihrer Kaiserlichen Majestät, unter dem Segen der Sechs, Jeldrik.[…]“

Dieses Edikt führte zu einer recht amüsanten Situation: lange Zeit galt es als Unding für Steynfallerhussener Bürger, ihr Dorf „Norodar“ zu nennen. Über die Jahre setzte sich allerdings der neue Name durch, da (wohl bedingt durch den hohen Analphabeten-Anteil der Bevölkerung) ohnehin kaum jemand wusste, wie man Steynfallerhussen überhaupt schrieb. Heute gibt es nur noch wenige Zeugnisse des alten Namens, ein paar Beispiele seien hier genannt:

1. verschiedene Grabsteine mit der Hersteller-Inschrift „geschaffen von […], zu Steynfallerhussen, im Jahre […]“ 2. eine Stele auf dem großen Versammlungsplatz in der Stadtmitte mit dem wahrscheinlichen Gründungsdatum von Norodar, mit einer fast unlesbaren Inschrift. Teile der Inschrift erwähnen den Namen „Steynfallerhussen“ mit einem unter Historikern umstrittenen Gründungsjahr sowie den Familiennamen „Nodar“. 3. die Märchen „Der Ork und der Hauer“ sowie „Die Hexe mit dem schiefen Zahn“ spielen an einem Gehöft mit dem Namen „Steynfallerhof“ (heute „Steinfallgehöft“), das es noch heute gibt und das nahe dem Großen Bruch liegt.

Heutzutage wird ein Ortsfremder, der durch Norodar kommt, überrascht seinen Blick auf hellgraue, im engonischen Hinterland an sich seltene Steinbauten mit Schieferdächern richten. Eine solide, saubere Stadt, die bisher von Kriegen verschont blieb. Der Besucher wird auf eine traditionsreiche Bevölkerung voller findiger Bauernschläue und einem gewissen Geltungsbewusstsein treffen. Landschaft und Umgebung

Im tangarischen Hinterland gelegen, zeichnet die Landschaft um Norodar vor allem der bereits erwähnte Steinbruch aus, der, entgegen zu sonstigen Streinbrüchen, eben nicht in die Seitenwand eines Berges oder eines größeren Hügels geschlagen ist, sondern gradewegs im flachen Feldboden gelegen ist. Im Süden und Westen ist Norodar offen und von Feldern und leicht hügeligen, saftigen grünen Wiesen umgeben (im Westen der Große Bruch), im Norden jedoch findet man einen langezogenen Streifen hochgewachsener Bäume. Dieser Nutzwald wird „Alte Aue“ genannt, neben seinen Ressourcen, was Wild und Holz angeht, dient er vor allem den norodarischen Kindern als Spielplatz.

Im Süden fließt von Westen nach Osten ein kleiner Fluss, der „Halm“, gemächlich in vielen langgezogenen Windungen entlang. Nicht sonderlich breit, nicht sonderlich tief, wird er doch von kleineren Lastkähnen zur Binnenschifffahrt genutzt. Glaube und Religion

Der typische Norodarer zeichnet sich durch ein solides, aber keineswegs übertriebenes oder gar fanatisches Verhältnis zur Religion aus. Als ländlicher Mensch glaubt der übliche Dorfbewohner and die sechs Götter Engoniens, wirklich präferiert wird keiner. Lediglich Aine und Tior sind nicht wirklich verbreitet, so werden sie zwar bei Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen angebetet, jedoch eher in Formulierungen wie „vereint im Namen der Sechs“ oder „nun ist er (der Verschiedene) bei den Göttern“, nur äußerst selten in einzelnen Anrufungen. Stark verbreitet sind Ausrufe wie „Der kleine Ulf tobt ja wie Tior persönlich!“ oder „Die kleine Elana lächelt, als hätte Aine gezaubert!“, die aber so gut wie nie wörtlich zu verstehen sind. Einen Tempel oder eine kleine Kirche gibt es nicht in Norodar, jedoch gibt es eine Familie, die seit mehreren Generationen in Norodar ansässig ist und aus deren Reihen immer wieder Priester des Alamar und der Lavinia hervorgegangen sind. Die wenigen Priester, die in Norodar wohnen, bekommen keine Spenden oder ähnliches, vielmehr gehen sie einem Handwerk nach und ernähren sich selbst. Nur zu Gelegenheit wie Geburt, Hochzeit oder Beerdigung werden die Gewänder angezogen und der Weihrauch hervorgeholt - der weltliche Lohn für die Priesterschaft besteht in dem hohen Ansehen, dass ein Priester jedweder (auch fremder oder ausländischer) Religionen in Norodar genießt.

Ein leicht ironisches Sprichwort lautet: „Ein Mann der Götter ist ein Mann von Welt.“

Berufswesen der Bevölkerung

Die meisten ortsansässigen Berufe und Handwerke können über die Landschaft oder die einfachen Bedürfnisse hergeleitet werden. So gibt es in Norodar…

1. wenig angesehene Berufe wie:

  • Schausteller/Barden
  • Huren
  • Totengräber
  • Nachtwächter

2. normale Berufe wie:

  • Bergarbeiter und Steinmetze
  • Holzfäller und Tischler
  • Getreidebauern, Müller und Bäcker
  • Viehbauern und Metzger
  • Böttcher
  • Drechsler
  • Gerber und Kürschner
  • Hufschmied
  • Maurer, Dachdecker und Zimmerleute
  • Sattler und Riemer
  • Schlosser
  • Schneider
  • Schuster
  • Töpfer
  • Wachmänner

3. hoch respektierte Berufe wie:

  • Priester
  • Schreiber (Norodar besteht zu 85% aus Analphabeten)
  • Beamte

Regierung / Verwaltung

Jeder Mensch aus Norodar, der einem ehrbaren Beruf nachgeht und bereits länger als fünf Jahre in der Stadt wohnt, kann zum Bürgermeister gewählt werden.

Wahlen finden auf die recht lange Zeit von zehn Jahren statt, weshalb jede Wahl gleichzeitig der Auslöser und Vorwand für eine lange Woche von Festen und Feierlichkeiten ist.

Der Bürgermeister steht einem Stadtrat vor, der wiederum aus dem Geldadel Norodars besteht. Der Stadtrat hat 7 Sitze. Judikative / Exekutive

Es gibt eine Stadtwache, die Polizei-Aufgaben übernimmt. Richter werden durch den Bürgermeister ernannt, auf Lebenszeit, können aber durch den Stadtrat abberufen werden. Es gilt das normale tangaranische Recht. Diebesgilde

In Norodar gibt es einen recht festen Bund von Verbrechern, für den die Bezeichnung „Diebesgilde“ gewählt wird. Die Gilde hat in verschiedenen, stillgelegten Teilen des Großen Bruchs Treffpunkte und Lager. Der Schwerpunkt der Gilde liegt bei Beutelschneiderei: oft kommen Händler mit Gold in den Taschen zum Großen Bruch, um Marmor zu begutachten und zu kaufen.

Anführer der Gilde ist „Der Gelbe Gunther“. Über ihn weiß man nicht viel, außer, dass er schon über hundert Jahre alt sein soll. Ob das wohl stimmt?

Die Bruchgrotten

Erst diesen Winter (266 n.J.) ist bei Schürfarbeiten im Großen Bruch eine Wand zusammengestürtzt. Das so enstandene Loch gab den Durchgang in einer Höhle frei, welche sich bei ersten Untersuchungen recht bald als eine wahre Grotte entpuppte: Wände aus Stein, Marmor und Granit, durchzogen von bunten Kristallen, Halbedelsteinadern und hellen, leuchtenden Erzen. Die Stadt selbst hat Anspruch auf diese Höhle erhoben und mithilfe der Stadtwache ihren Besitzanspruch durchgesetzt. Die Bruchgrotten gelten bisher als kleines Naturwunder, aber auch als ein Ort, aus dem man viel Kapital schlagen kann.